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Link-Design I.: Das VisuelleMetaphern
Artikel 22 von 34

KommDesign.de — Texte — Usability (3)

Link-Design II. Die Sprache

Verständlichkeit der Namen
Eindeutigkeit und Erwartungstreue
Konkretheit
Gute Links sind kommentiert
Kürze und Prägnanz

 
   
Verständlichkeit der Namen

Hiermit kommen wir zur Sprache, also den Link-Namen. Auch hier sind die Regeln von tückischer Einfachheit: Links sollten verständliche, einprägsame, Namen haben, die von denen der anderen Links auf der Seite eindeutig zu unterscheiden sind. Viele Links, z.B. die Begriffe, die in der Hauptnavigation von Freecall neues Fenster öffnenauftauchen, erfüllen dieses einfache Kriterium nicht. 
 

Oder können Sie sich etwas unter "0800", "0700", "0180" vorstellen? Ich nicht. Und: Kennen Sie vielleicht Dutzende Web-Sites im Telekommunikationsbereich, die Ihre Produkte für die Kunden hinter einem Schleier von Pidgin Wortkreationen verbergen - von "EasyTalk" (ARCOR) bis "TwinServices" (T-D1). Ich auch, und es wundert mich immer wieder, dass diese Firmen Milliarden für UMTS-Lizenzen lockermachen, aber anscheinend nicht dafür sorgen können, dass man Ihre Produkte und Tarife versteht. Hierzu noch ein Beispiel aus der Website von T-D1, das jeden Kommentar überflüssig macht:

Und zum Vergleich hier einmal Links, die funktionieren. Auf der Website der Computer-Bild:neues Fenster öffnen

Und zu solchen Beispielen fällt mir dann einfach nichts ein. Warum? Weil sie funktionieren, und was funktioniert, sieht eben meistens trivial und überhaupt nicht award-verdächtig aus - davon war im ersten Beitrag ja schon einmal die Rede.






neues Fenster öffnen= Link in neuem Fenster öffnen

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Eindeutigkeit und Erwartungstreue

Kehren wir noch einmal zurück ins Wunderland der Telekommunikation. Dieses Menü findet man auf der Website von T-D1 (www.t-d1.de). 
 

Wenn man hier auf "T-D1 Company" klickt, erfährt man nichts über die "T-D1 Company" (meine persönliche Erwartung), sondern man wird in ein neues Browser-Fenster und auf eine neue Site katapultiert. Dort werden - in völlig anderem Design - Produkte für Firmenkunden angeboten. Der Link-Name kann also für zwei völlig unterschiedliche Inhalte stehen, einerseits "Produkte für Firmenkunden" und andererseits "Firmeninformationen". Bevor man nicht ausprobiert hat, welcher zutrifft, ist man zum Glücksklicken verdammt. Jeder kennt das Gefühl, wenn man während einer konzentrierten Web-Recherche plötzlich im falschen Film landet, und jeder weiß: es ist kein schönes Gefühl. Und es entsteht nicht durch falsche Farben oder Formen oder Effekte, sondern in fast allen Fällen durch Unschärfen in der Sprache. 

Um beurteilen zu können, ob ein Link eindeutig sind, ist allerdings immer der Kontext der anderen zu beachten. Das Wort "Katalog" auf einer Shop-Seite ist ganz unverfänglich, bis sich das Wort "Produkte" dazugesellt. Sind die Produkte nicht im Katalog und: Enthält der Katalog nicht die Produkte?
 
Wer bei der FAG neues Fenster öffnennach einem Flugtermin sucht und die Menüs mit der Maus aufklappt, hat es nicht leicht, denn er/sie wird mit Begriffen bombardiert, die allesamt "irgendwie" zu passen scheinen:
  • Flugauskunft 
  • Anflug
  • Abflug 
  • Abfliegen 
  • Ankommen 
  • Reiseplanung 
  • Flugpläne 
  • An-Abreise
Welches das richtige Link ist? Eine Glücksklick-Frage.

Hierzu nun ein Positiv-Beispiel aus der Website Ergo Online neues Fenster öffnen

Auch hier gibt es das Ein-Wort-Dilemma. Aber es scheint mir durchaus sinnvoll gelöst, denn außer "Gesundheitsvorsorge" und Beschwerden & Krankheiten gbt es hier keine inhaltlichen Überschneidungen, und die Begriffe sind so gewählt, dass man sich ein relativ genaues Bild von den inhalten machen kann, zu denen sie verzweigen. Optimal wäre hier noch eine Kommentierung der Links (hierzu gleich noch mehr).  

 
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Konkretheit

Einer der häufigsten Fehler beim Benennen von Links ist Abstraktheit in der Wortwahl. Es gibt Oberbegriffe, die alles Mögliche bedeuten können, und diese werden dann als sprachliche Waffen gegen die Surfer/innen gerichtet, z.B. - mein Lieblingslink - Info. Gibt es irgendetwas im Internet, das keine Info ist? Eben. Deshalb ist dieser Name ähnlich sinnvoll, wie die Aufschrift "Produkt" auf einer Verpackung. Könnte man nicht einfach auf dieses Link verzichten und sagen, um welche Info es sich handelt? Ja, man könnte. Oder: ...and more, ein Link das nicht nur nichts bedeutet, sondern auch dokumentiert, dass es da Dinge gab, die die Verantwortlichen nirgendwo sonst unterbringen konnten. Die werden ja höllisch interessant sein - genauso interessant wie das, was sich hinter Sonstiges oder Verschiedenes oder Alles Andere verbirgt.

Das sind natürlich ziemlich offensichtliche Sünden (obwohl sie gar nicht so selten begangen werden). Es gibt aber auch abstrakte - oder sagen wir besser: unkonkrete Links, die auf den ersten Blick nicht so aussehen. Nehmen wir noch einmal das Menü von T-D1:
 

Dass die "T-D1 Company" ihre Tücken hat, wurde schon erklärt. Wie ist es aber mit "Download"? Ein Link, das harmlos aussieht, aber unserer Forderung nach Konkretheit nicht genügt. Was kann denn hier heruntergeladen werden? 
  • Klingeltöne fürs Handy?
  • Software? 
  • Anmeldeformulare?
  • Bildschirmschoner? 
  • Geschäftsberichte....? 
Welche Kunden informiert die Kundeninfo worüber? Wer trifft sich im Meeting Point und warum? Man weiss es nicht, man kann es nicht wissen, die Wörter geben nicht genug Informationen her.
Aber da gibt es ja zum Glück den Sankt Mouseover, der uns beisteht, wenn's kompliziert wird. Und der lässt nun auf T-D1 beim Zeigen mit der Maus auf ein Menüoption jeweils ein zweites aufpoppen, z.B. für MEETING POINT das hier links zu sehende. 
  • TimeManager? 
  • DatingZone? 
  • EXPO und SOCIALBRAIN? 
  • Brokerpoker? 
  • X-Men?
Man sieht: Schwammigkeit kann durch die Addition von mehr Schwammigkeit nicht präziser gemacht werden (klingt plausibel, nicht wahr?).
 
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Gute Links sind kommentiert

Komplexe Zusammenhänge oder auch feine Unterschiede können nicht in einzelnen Wörtern kommuniziert werden. Oder was sagen Sie, wenn Sie einen Freund auf der Straße treffen: "Dialog"? oder "Kontakt"? Eben. Wo immer die Gefahr von Missverständnissen besteht, sollte man deshalb Links erklären und kommentieren. "T-D1 Company" mit dem Zusatz "Angebote für Firmenkunden" würde das Problem in dem oben gezeigten Beispiel schon lösen. Zwei Beispiele hierzu: Wissen Sie, was ein DB Fuhrpark-Service ist? Klingt nach Mietwagen und Logistik, aber was ist es genau? Die Deutsche Bahn neues Fenster öffnenerklärt es gleich, bevor der Kunde in Löcher fällt:

Aha! So ist das also.

Die Frage, die sich allerdings immer stellt: Wie bekommt man den Kommentar ins Menü? Wer nach der Devise "form follows functionä vorgeht, wird das Design so verändern, dass die Links kommentiert werden können, auch wenn Ästheten vielleicht Augenschmerzen bekommen. Wer Wert auf die Reinheit der Form legt, wird dafür sorgen, dass dem elegant geschwungenen Linienzug und den schönen Buttons nichts passiert. Die wahrscheinliche Folge diesmal: Die Benutzer bekommen Magenschmerzen. 

Gutes Design entsteht, wenn ästhetisch und funktionell denkende Gestalter gemeinsam am Werk sind, wenn beide Fraktionen, Ästheten und Funktionalisten, zusammenarbeiten, und zwar von Beginn an! Ein Designer, der nachträglich etwas optischen Pep in eine Online-Bleiwüste bringen soll, steht vor einer ähnlich hoffnungslosen Aufgabe wie ein Ergonomie-Spezialist, der ästhetisch geflashte Wucherungen in ein funktionierendes eCommerce-Interface verwandelnsoll.

 
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Kürze und Prägnanz

Wenn es sich nicht gerade um die Hauptnavigationspunkte einer Website handelt, gibt es noch eine Möglichkeit, der lästigen "Ein-Wort"-Fessel des Link-Designs zu entkommen. Man unterstreicht und verlinkt längere Textpassagen. Man findet diese Strategie relativ häufig, vor allem auf größeren Sites, die über Content-Management Systeme mit Inhalten beschickt werden. Und auf den ersten Blick ist auch nichts gegen sie einzuwenden. Andererseits: Eine der wichtigsten Aufgaben von Links im Inhaltsbereich einer Website ist, Informationen zu verdichten, also prägnante visuelle und inhaltliche Anker für die Orientierung der Besucher zu setzen. Gute Links helfen, Inhalte schnell aufzunehmen und Navigations-Entscheidungen zu treffen. Je länger - das heißt auch: inhaltlich umfangreicher -  ein Link wird, desto schlechter können die Besucher es auf einen Blick erfassen und verstehen. Hierzu ein Beispiel, bei dessen Erstellung ich mich auf www.focus.de bedient habe. Dort fand sich eine Schlagzeile, die wie die Zeilen links oben gestaltet war, d.h. der gesamte Text war mit einem Link unterlegt. In den anderen Feldern der Tabelle sind einige Variationen dargestellt, bei denen nur noch einzelne Schlagwörter als Link 

 
 
GP von Italien: Schumachers Sieg
von tödlichem Unfall überschattet.
GP von Italien: Schumachers Sieg 
von tödlichem Unfall überschattet.
GP von Italien: Schumachers Sieg
von tödlichem Unfall überschattet.
GP von Italien: Schumachers Sieg 
von tödlichem Unfall überschattet.

 

Die optische und inhaltliche Prägnanz der Links ist höher, wenn sie auf die wichtigsten Schlagwörter reduziert werden. Und noch etwas wird deutlich: In Abhängigkeit davon, welche Wörter verlinkt sind, werden verschiedene Aussagen in verschiedenen Betonungen gemacht. Man könnte über dieses Beispiel noch viel sagen, ich möchte aber hier nur auf zwei Punkte hinweisen, dass nämlich erstens der "tödliche Unfall" als Eye-catcher sehr viel drastischer wirkt als "GP von Italien". Und zweitens sind die verschiedenen Lösungen für verschiedene Interessengruppen geeignet. GP von Italien für neutral Sportinteressierte, tödlicher Unfall für Sensationslüsterne und Schumachers Sieg für Schumi-Fans. Wer solche Akzente bewusst einsetzt, kann also Zielgruppen präziser ansprechen. Der vollständig unterstrichene Text ist also nicht nur schlechter zu überfliegen und weniger einprägsam, sondern auch weniger wirkungsvoll. 

 
   
Wegweiser zum Thema Hypertext-Links:
   
  auf KommDesign.de
   
 

Galerie: Beispiele für schlechte Links und Menüs

 
Links: Die Linksammlung zum Thema Navigation
 
 

 

 
 
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© Dr. Thomas Wirth Kommunikationsdesign - eMail: thomas.wirth@kommdesign.de
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